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LISA LURATI
SCHERZO. MOLTO ALLEGRO QUASI PRESTO

Eine winzige nackte Silhouette vor leuchtroten Tannenbäumen. Eine Büste aus marmoriertem Fleisch, zärtlich gestreichelt. Der herablassende und prüfende Blick zweier männlicher Porträts. Finger, die auf die Seiten eines heiligen Buches zeigen oder die Schenkel einer Wachtel grätschen. Lisa Luratis Universum ist von theatralischen Figuren bevölkert, welche in rätselhafte Rituale vertieft sind und sich kaum von der Kamera erfassen lassen. Die Bilder, die die Künstlerin sammelt und ordnet, sind Fragmente einer unzugänglichen Welt, in der Körper im Überfluss vorhanden sind – gleichermassen aus Fleisch, Marmor oder Farbe – sich banalen oder rätselhaften Aktivitäten widmend. Obwohl sich diese Bildersammlung jedem festgelegten Sinn entzieht, sind viele Motive erkennbar und verknüpfen sich innerhalb der Ausstellung: Körper von Statuen, die sich unter Lebende mischen, üppige Vegetation, gemalte Gesichter, die durch die Eingriffe der Künstlerin zum Leben erweckt werden.

Lisa Lurati arbeitet mit einem hybriden Bildmaterial – von der Künstlerin gefunden oder produziert – welches sie ständig vermischt, überarbeitet und transformiert, um neue Bilder in vielfachen Versionen zu schaffen, die sie im Anschluss zu Serien zusammenfügt. Ihre visuelle Handschrift ist stark und einzigartig, die Bilder, deren sie sich aneignet, lässt sie identifizierbar. In dieser Ausstellung sind dies insbesondere emblematische Motive aus der westlichen Kunstgeschichte. Ihre Arbeit entstammt einer Generation von Kunstschaffenden, die die Fotografie als Rohmaterial verwenden und aus welchem eigenständige Bildwelten entstehen – ohne dabei zwangsläufig an bestimmten Serien und mit festgelegten Einschränkungen zu arbeiten. In der Ausstellung werden die unterschiedlichen Ursprünge und Texturen der Bilder durch den Umgang mit der Materialität hervorgehoben: gerahmte Fotografien, auf Plexiglas und Spiegel aufgezogen, auf Stoff gedruckt und über die Wand herausquellend.

Scherzo. Molto allegro quasi presto – der italienische Begriff aus der Notenschrift klassischer Musik für ein kurzes, humorvolles und temporeiches Stück – ist die erste Einzelausstellung der Schweizer Künstlerin Lisa Lurati und zeigt eine Vielzahl unveröffentlichter Werke, die alle für die Ausstellung produziert wurden.

Die 1989 geborene Schweizer Künstlerin Lisa Lurati studierte von 2011 bis 2015 an der Höheren Fachschule in Vevey Fotografie. Seit 2013 wurden mehrere ihrer Arbeiten in Gruppenausstellungen und Publikationen in der Schweiz und Deutschland gezeigt. Sie lebt und arbeitet in Lugano und Berlin und war im Frühjahr 2018 in der Villa Ruffieux in Sierre.

Kuratorin der Ausstellung: Danaé Panchaud

Alle Bilder: © Lisa Lurati 2018

Diese Ausstellung wird ermöglicht durch die grosszügige Unterstützung von Pro Helvetia, der Oertli Stiftung und Swisslos – Repubblica e Cantone Ticino DECS.

Die Siebdrucke wurden im Atelier Multiples et Editions d’artistes de l’ECAV mit Nicolas Wagnières realisiert. Gerahmt wurden die Arbeiten von Goupie Goupek.

Parallel zur Ausstellung:

CA L’ISIDRET