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ADRIAN SAUER

Adrian Sauer erkundet in seinen Fotografien die Grundlagen eines Mediums, das sich in der jüngeren Zeit so sehr verändert hat wie kein Zweites. Als im Lauf der 1990er Jahre die analoge Fotografie durch digitale Bildprozesse abgelöst wurde, sahen nicht wenige Kritiker das Ende der Fotografie gekommen. Sauers fotografisches Werk ist eine entschiedene Gegenrede. Seit vielen Jahren befasst sich Adrian Sauer auf vielfältige Weise mit den medialen Eigenschaften digitaler Bilder. Die Ergebnisse sind formal reduzierte, zuweilen geheimnisvolle Arbeiten, die elegant und nicht selten mit leisem Witz zum genauen Hinsehen animieren. Adrian Sauer verbindet in der Ausstellung primär drei Formen, die sich gegenseitig ergänzen: Die Fotografie als bildhaftes Medium, räumliche Objekte sowie Texte.

Die 2010 entwickelte Arbeit 16.777.216 Farben macht in elegant reduzierter Form das Spektrum des Lichts erfahrbar: Das heute gebräuchliche Verfahren zur Ausbelichtung digitaler Fotografien ist in der Lage, 16’777’216 unterschiedliche Farben hervorzubringen. Der Computer ist, wenn er Bilder im 8-Bit-RGB-Verfahren bearbeitet, auf diesen Farbraum beschränkt. Nachdem Adrian Sauer eine Zeit lang mit Programmen wie Adobe Photoshop Fotografien bearbeitet hatte, bemerkte er, wie stark sich die Trennung zwischen der Benutzeroberfläche und der Technik an sich ausgestaltet. Auf diesen Erfahrungen aufbauend, entwickelte er selbst ein Programm, das Bilder herstellt, die all diese Farben ausschliesslich einmal enthalten.

Die Serie Form und Farbe (seit 2014) besteht aus Paaren von Wolkenbildern. Die Veränderung von Wolkenformationen erinnert in ihrer Flüchtigkeit an die Fotografie als Medium und ist zeitgleich als Topos in der Kunstgeschichte verankert. Adrian Sauer fotografiert regelmässig den Himmel – für diese Serie erstellte er ein Programm, mit welchem er zuerst eine positive und dann eine negative Abbildung desselben Motivs erstellt, danach ergänzt ein Weissabgleich die Bearbeitung. Trotz der rechnerischen Gegensätzlichkeit ergeben sich «Zwillingspaare».

Die Serie Parkett führt uns auf einfache Art und Weise die Fähigkeit des fotografischen Mediums vor Augen: 36 Aufnahmen eines Fussbodens, die lückenlose Wiedergabe der Bretter, auf denen wir sonst stehen. Die Frage entsteht, wie objektiv etwas abbildbar ist und wieviel trotz dem erwähnten Abbild fehlt, um das Gesamte erfassen zu können.

Das Objekt Spiegel mit einem Band besteht aus zwei Flügeln, die an allen Flächen mit poliertem Stahlblech bezogen und mit Klavierband verbunden sind. Die Geschichte der Fotografie, die sich durch metaphorische Zuschreibungen auszeichnet, wird hier zum physischen Erfahrungsraum. Dadurch, dass die Oberflächen nicht vollkommen eben sind, entstehen leicht verzerrte Reflexionen – der Spiegel wird als Objekt erfahrbar. Trotzdem tun die Spiegelflächen ihren Dienst: Der Blick in den Raum wird vervielfacht, es eröffnen sich überraschende Einblicke in die Architektur des Photoforums. Die Dimensionen, 90 cm breit, 225 cm hoch, erinnern an das Mass einer Standard-Tür und können als Bezugsgrösse zum menschlichen Körper gelesen werden.

Wie schon in der Fotoserie spielt bei den objekthaften Parkett-Arbeiten die Frage der Nachbildung eine zentrale Rolle. Während einerseits ein Teil des Fußbodens des Ausstellungsraums aus Holz nachgebaut wird, zeigt eine weitere Arbeit einen Fußbodenbelag, der zwar wie Holz aussieht, allerdings auf einer Fotografie eines Holzbodens basiert. Während die spezifischen fotografischen Techniken zur Darstellung und Artikulation sichtbarer Wirklichkeit auf dem Rückzug ist, werden universelle Techniken benutzt, um bestimmte Vorstellungen ebenjener sichtbaren Wirklichkeit zu verbreiten: Hier wird das Paradox in der Entwicklung fotografischer Repräsentation überdeutlich.

In seinem Langzeit-Projekt Glossar erläutert Adrian Sauer Phänomene, die unseren digitalen und visuellen Alltag prägen. Seine Auseinandersetzung mit Begriffen wie Teilen und Löschen, Bot oder Meme macht die häufig schwer durchschaubare Logik der heutigen Bildkultur zum Thema. Sein Glossar kann unterschiedliche Formen annehmen: Als Installation im öffentlichen Raum, als Publikation oder als installative Setzung im Innenraum. Das Arrangement der Begriffe orientiert sich dabei an der Logik digitaler Strukturen – einer Textform, die nicht einer linearen Ordnung sondern der Struktur des Netzes folgt, die das Schaffen von Querverweisen ermöglicht. Das Glossar bildet die Grundlage einer Publikation, die die Ausstellung weiterführt.

Die Ausstellung wurde von Nadine Wietlisbach kuratiert.

Biografie

Von 1997 bis 2003 studierte Adrian Sauer in Leipzig an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Fotografie, seit 1999 in der Klasse von Professor Timm Rautert. 2005 folgte der Meisterschülerabschluss ebenfalls bei Timm Rautert. 2004 gründete er mit Kollegen die Produzentengalerie Amerika in Berlin. Seine Arbeit wurde in zahlreichen Gruppen- und Einzelausstellungen in Galerien und öffentlichen Institutionen gezeigt und durch mehrere Stipendien gefördert. Sauers Arbeiten finden sich in öffentlichen und privaten Sammlungen.

  © Adrian Sauer, Parkett, 36 digitale C-Prints, 2016

Adrian Sauer, 30.06.2015, 2015

Adrian Sauer, 30.06.2015, 2015

Adrian Sauer, 16777216 Farben in rot, grün und blau, 2018 (Detail)

Ausstellungsansicht Adrian Sauer © Adrian Sauer

Ausstellungsansicht Adrian Sauer © Adrian Sauer

Ausstellungsansicht Adrian Sauer © Adrian Sauer

Ausstellungsansicht Adrian Sauer © Adrian Sauer

Die Ausstellung wird unterstützt durch:

Parallel zur Ausstellung:

DOROTHÉE ELISA BAUMANN