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Bild: © Mathieu Merlet Briand, #Blue-Screen, 2018

Die 23. Ausgabe der Bieler Fototage thematisiert reale und virtuelle Überflutungen, die unsere heutige Gesellschaft kennzeichnet. In der digitalen Welt bezeichnet das englische Wort «flood» die Überflutung des Netzes und der Foren bis zu deren Unbrauchbarkeit. Tag für Tag teilen über 4 Milliarden Internetnutzer – bewusst oder unbewusst – eine Vielzahl von Informationen. Dieser Datenfluss, der uns überfordert und dessen Auswirkung auf unsere Gesellschaft nicht lenkbar ist, bietet auch Entwicklungschancen für das Individuum und für die Gemeinschaft.

Die diesjährige Ausgabe stellt Fotoarbeiten vor, welche die Übergriffe erforschen, die manchmal in der Privatsphäre versteckt bleiben sowie die politischen Exzesse hinterfragen, denen der Mensch heute ausgesetzt ist. Sie beschäftigen sich auch mit der Technikbesessenheit und der massiven Ausbeutung von lebenswichtigen Ressourcen in unserer heutigen Gesellschaft. Fotos sind ein Abbild unseres Umgangs mit diesen Phänomenen. Die fotografischen Bilder gehen heute in einem Fluss von Daten unter und werden zuweilen unlesbar oder unsichtbar, genauso wie das Individuum selbst. Das Bild soll in den Ausstellungen wieder zum Vorschein gebracht werden und die gesellschaftlichen Widersprüche, die es beinhaltet, beleuchten. Das Festival erlaubt der Fotografie, aus ihrem üblichen Rahmen auszubrechen und setzt die Gedanken der Besucherinnen und Besucher in Bewegung.

Im Photoforum: Hochwasser, Sturm, Orkan,

Das Photoforum Pasquart bietet für diese Ausgabe der Fototage unter dem Titel Flood der Künstlerin Myriam Ziehli, die von den historisch wiederkehrenden Motiven von Sintflut und Katastrophe ausgeht, eine Carte Blanche an.

„Dies geht von einer sehr einfachen Intuition aus; die Konservierung in der zoologischen Struktur ist nicht ohne die Erinnerung an zwei biblische Parabeln: die von der Arche Noah und davor der Genesis. Tatsächlich stellt der Zoo eine geschlossene Konservierungsstruktur dar und bildet damit eine Form der Arche. Die Dringlichkeit der apokalyptischen Situation in der Parabel erweckt Verbindungen mit aktuellen ökologischen Problemen, einschliesslich des besorgniserregenden Verlusts der biologischen Vielfalt, der durch das sechste große Massenaussterben gekennzeichnet ist. Noahs patriarchalische und hierarchische Autorität über die von ihm ausgewählten und ‚geretteten’ Tiere erinnert an die westliche Frechheit, einerseits die Priorisierung der Schutzmassnahmen zu bestimmen, andererseits festzulegen, wie Tiere als Repräsentanten ihrer Spezies in zoologischen Parks definiert werden.

Schliesslich findet sich in bereits am Anfang der Bibel, in Genesis 1.26, eine Beschreibung der ‚naturalistischen’ Wahrnehmung (nach den vier von Philippe Descola definierten Ontologien), die die umgebende Welt (Umwelt) vom Menschen trennt: ‚Und Gott sprach: Lasset uns Menschen machen in unserem Bilde, nach unserem Gleichnis; und sie sollen herrschen über die Fische des Meeres und über das Gevögel des Himmels und über das Vieh und über die ganze Erde und über alles Gewürm, das sich auf der Erde regt!’

Würden uns diese heute absurd erscheinenden Visionen von der Natur unter der Herrschaft des Menschen erlauben, unser kulturell aufgebautes – und tief verwurzeltes – Selbstverständnis der ‚Souveränität über die Natur’ zu hinterfragen?“

Myriam Ziehli, 2019

Westminster Altarbild, 1259-1269 (Ausschnitt)

Myriam Ziehli, Hochwasser, Sturm, Orkan, Photoforum Pasquart 2019

Myriam Ziehli, Hochwasser, Sturm, Orkan, 2019