1970-01-01T00:00:00+00:00
Lade Veranstaltungen

Bild: © Mathieu Merlet Briand, #Blue-Screen, 2018

Die 23. Ausgabe der Bieler Fototage thematisiert reale und virtuelle Überflutungen, die unsere heutige Gesellschaft kennzeichnet. In der digitalen Welt bezeichnet das englische Wort «flood» die Überflutung des Netzes und der Foren bis zu deren Unbrauchbarkeit. Tag für Tag teilen über 4 Milliarden Internetnutzer – bewusst oder unbewusst – eine Vielzahl von Informationen. Dieser Datenfluss, der uns überfordert und dessen Auswirkung auf unsere Gesellschaft nicht lenkbar ist, bietet auch Entwicklungschancen für das Individuum und für die Gemeinschaft.

Die diesjährige Ausgabe stellt Fotoarbeiten vor, welche die Übergriffe erforschen, die manchmal in der Privatsphäre versteckt bleiben sowie die politischen Exzesse hinterfragen, denen der Mensch heute ausgesetzt ist. Sie beschäftigen sich auch mit der Technikbesessenheit und der massiven Ausbeutung von lebenswichtigen Ressourcen in unserer heutigen Gesellschaft. Fotos sind ein Abbild unseres Umgangs mit diesen Phänomenen. Die fotografischen Bilder gehen heute in einem Fluss von Daten unter und werden zuweilen unlesbar oder unsichtbar, genauso wie das Individuum selbst. Das Bild soll in den Ausstellungen wieder zum Vorschein gebracht werden und die gesellschaftlichen Widersprüche, die es beinhaltet, beleuchten. Das Festival erlaubt der Fotografie, aus ihrem üblichen Rahmen auszubrechen und setzt die Gedanken der Besucherinnen und Besucher in Bewegung.

Im Photoforum: Hochwasser, Sturm, Orkan,

Das Photoforum Pasquart bietet für diese Ausgabe der Fototage eine Carte Blanche von der Künstlerin Myriam Ziehli an, die von den wiederkehrenden Motiven in der Geschichte von Sintflut und Katastrophe ausgeht.

“Dies geht von einer sehr einfachen Intuition aus; die Konservierung in der zoologischen Struktur ist nicht ohne die Erinnerung an zwei biblische Parabeln: das von der Arche Noah und davor der Genesis. In der Tat stellt der Zoo eine geschlossene Konserviergungsstruktur dar und bildet damit eine Form der Arche. Die Dringlichkeit der apokalyptischen Situation im Parabel erwähnt aktuelle ökologische Probleme, einschliesslich des besorgniserregenden Verlusts der biologischen Vielfalt, der durch das sechste große Massenaussterben gekennzeichnet ist. Noahs patriarchalische und hierarchische Autorität über die von ihm ausgewählten und „geretteten“ Tiere erinnert an die westliche Frechheit, die einerseits eine Priorisierung der Erhaltung und andererseits die Tiere als Vertreter Ihrer Spezies in einem zoologischen Park definiert.

Schliesslich findet sich in den ersten Früchten der Bibel die „naturalistische“ Wahrnehmung (nach den vier von Philippe Descola definierten Ontologien), die die umgebende Welt (Umwelt) vom Menschen trennt, so dass wir in der Genesis 1.26 diesen Vers finden: „Und Gott sprach: Lasset uns Menschen machen in unserem Bilde, nach unserem Gleichnis; und sie sollen herrschen über die Fische des Meeres, über das Gevögel des Himmels, über das Vieh, über die ganze Erde und über alles Gewürm, das sich auf der Erde regt!“

Würden uns diese heute anormalen Naturvisionen unter der Herrschaft des Menschen erlauben, unser kulturell gestaltetes – und tief verwurzeltes – Verhältnis von „Souveränität über die Natur“ zu überprüfen?”

Myriam Ziehli, 2019

Westminster Altarbild, 1259-1269 (Ausschnitt)

Myriam Ziehli, Hochwasser, Sturm, Orkan, Photoforum Pasquart 2019

Myriam Ziehli, Hochwasser, Sturm, Orkan, 2019