© Christopher Meerdo, Anthology IMG67_1.psd, 2007–2015

© Neige Sanchez, sans titre, à la surface des corps, 2012–2016

© Dominic Nahr, South Sudan, Bentiu, 2015

© Susanne Kriemann, Lokalisierung radioaktiven Jods auf ungefärbtem Stoff, RG 434-LB

FLARE – Magazin Photoforum Pasquart

FLARE als Printmagazin und Onlineplattform erweitert und ergänzt den Ausstellungsraum des Photoforum Pasquart. FLARE stellt Verbindungen zwischen dem Digitalen, dem Gedruckten und den Ausstellungen her und zeigt Kollaborationen mit FotografInnen, ExpertInnen verschiedenster Disziplinen sowie der Bieler Bevölkerung. Digital werden Hintergrundinformationen, Werkstattberichte sowie kontextuelle Erweiterungen zu einem Hybriden verbunden, welcher über das Jahr weiter wachsen wird.

In der ersten Ausgabe von FLARE, dem Magazin des Photoforum Pasquart, widmen sich vier Bildschaffende sowie fünf Autorinnen unterschiedlichen Aspekten der Grenzziehung und des Auslotens von Zwischenräumen.

Statement

Die Fotografie, an die sich viele gerne erinnern, z.B. als Portraitfotografie oder Dokumentationsmedium, existiert heute vielgestaltiger – Bilder werden immer zahlreicher produziert, verteilt, verwertet – von jeder und jedem – überall. Nicht nur die materielle Basis der Fotografie hat sich im Zuge der Digitalisierung aufgelöst; auch inhaltlich ist die Beschäftigung mit diesem Medium nicht mehr an eine Wahrheitsbehauptung geknüpft, sondern immer eine Verhandlung an den Grenzen zwischen Authentizität, Indexikalität und der subjektiven Sichtbarmachung vielgestaltigen Realitäten. Die Fotografie verändert sich in rasantem Tempo und reizt die Grenzen verschiedener Felder aus: Computertechnologien, die Verarbeitung von Daten und die Verbindungen von Netzwerken führen dazu, dass Fotografien schnell entstehen, verbreitet und kombiniert werden können. Seit die digitale Fotografie die Rahmenbedingungen aufgelöst hat, sind die Veränderungen und Ausformulierungen immer weniger voraussehbar. Die klassische Fotografie setzt immer zwei Personen voraus: den Fotografen und den Betrachter. Heute, im Zeitalter digitaler Fotografie, können diese Voraussetzungen nicht mehr in klaren Grössen definiert werden. Als Betrachter von Fotografien sind sie für uns nicht mehr gleichermassen sicht- und erfahrbar. Durch unterschiedlichste Aufnahmetechniken, die Kombination von LIDAR-Daten (die Gesichter und Objekte auf Bildern wiedererkennen), Technologien aus den Bereichen der virtuellen und semantischen Realität sowie der künstlichen Intelligenz ergeben sich Geflechte, die für uns kaum fass- und vorstellbar sind. Die Kamera der Zukunft ist nach Taylor Davidson nicht mehr nur Gerät, sondern App oder Software, die Daten unterschiedlichster Sensoren sammelt. Diese Verknüpfungen generieren, verteilen und verwerten ständig sowohl aktiv wie passiv Unmengen von Daten, die wir nicht mehr eindeutig der fotografierenden Person zuschreiben können, sondern eben als Produkt eines vernetzten und vielgliedrigen Prozesses betrachten müssen. Aufmerksamkeitsökonomien werden von Bildern und fotografischen Praxen definiert, von Post-Photography, um den Begriff der Fachterminologie nicht zu vergessen. Die kritische Auseinandersetzung orientiert sich zunehmend an verwandten theoretischen Feldern des Visuellen. Wir möchten versuchen, die Veränderungen des Mediums Fotografie mit kritischem, aber durchaus wohlwollendem Blick zu verfolgen und suchen für die Vermittlung dieser Veränderungen nach geeigneten Gefässen.

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